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Yucca Valley–Coachella Valley

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7-4-2019Es ist 7 Uhr morgens und es ist Sonntag. Der Straßenverkehr hat schon angefangen und wir liegen noch in unserem 1,20 m breiten Bett und dösen vor uns hin. Ich werde, sage ich vorsichtig, heute mein lila Polohemd anziehen. Die Vorsicht ist angeraten, denn Ulla geht meist schon bei der Erwähnung des lila Hemdes an die Decke. Sie unterstellt mir, ich hätte es nur gekauft, weil es  im Doppelpack billiger gewesen sei,  was nicht stimmt. Vielmehr war es so, dass es drei Hemden zum Preis von zweien gab, also habe ich zu einem grauen und einem türkisen ein weiteres hinzu genommen. Ich hatte die Wahl zwischen orange und lila. Orange war mir zu nah an den holländischen Nachbarn, die ich wirklich sehr schätze, schon wegen ihres Käses, aber ich will es auch nicht gleich übertreiben mit dem oranje.

Es ist Sonntag und wir gehen in die Evangelical Free Church. Zwar habe ich das lila Hemd katholischen Gemeinden vorbehalten, die wir auf unserer Reise besuchen, aber ich mache heute eine Ausnahme, denn irgendjemand hat mir einmal gesagt, dass die Freien evangelischen Gemeinden die katholischsten unter den Freikirchen seien, was immer das auch heißen mag. Die Katholiken, meint Ulla, verwenden lila auch nur zu bestimmten Zeiten und das frei evangelische Geistliche jemals lila getragen hätten, sei ihr nicht bekannt. Sie könne sich kaum vorstellen, dass der ehemalige Präses der Kirche, Peter Strauch, lila Hemden zum Gottesdienst tragen würde. Mein Geschmack sei da schon sehr speziell. Ob ich mich wohl etwas weiter von ihr weg setzen könne, nachher im Gottesdienst.

Wie dem auch sei. Ich habe jetzt rote Sneaker an, eine blaue

Jeans, das lila Poloshirt und dazu eine hellbraune Wildlederjacke, kalifornisch eben. Wer sich ein wenig vom indischen Verständnis für Farben bewahrt hat, bekanntlich sieht der Inder Farben nicht im harmoniesüchtelnden Zusammenhang, sondern jede für sich, der wird meine Freude an dieser Farbzusammenstellung teilen.

20190407_102712Die Evangelical Free Church in Yucca Valley liegt etwas außerhalb der Stadt am Mohawk Trail. Sie gehört demselben in der Schweiz gegründeten Gemeindebund an wie meine Heimatgemeinde. Der Gottesdienst verläuft in den vertrauten Bahnen, die wir auch von zu Hause kennen. Eine kleine Combo und Singgruppe leitet den Gemeindegesang. Dann ruft ein Mitarbeiter der Gemeinde zur tätigen Mithilfe auf. Es geht um die Reinigung des hinter dem Gemeindehaus liegenden Amphitheaters. Dort soll am Ostersonntag um sechs Uhr morgens ein Auferstehungsgottesdienst mit den Nachbargemeinden gefeiert werden. Leider hat der Wüstenwind im Winter jede Menge Sand auf die Sitzreihen geblasen, der jetzt mühsam und per Hand abtransportiert werden muss. Das macht sich natürlich nicht alleine. Für die erwarteten Helfer gibt es morgens Kaffee mit Bagels und mittags Pizza. Das sollte als Anreiz ausreichen. Dann gehen die Kinder in den Kinder Unterricht und Pastor Bob setzt seine Predigtreihe über die Bergpredigt fort. Es geht um Zorn, Lust, Scheidung und Eid, nicht gerade leichte Kost.

Nach dem Gottesdienst wollen wir an der Tankstelle auftanken. Wo ist meine Kreditkarte? Ulla meint, die müsse doch in meiner Tasche sein, oder aber in der Hose, die ich gestern Abend angehabt habe, vielleicht in dem Hemd? Vielleicht habe Sie ich sie auch ins Ablagefach vorne links gelegt. Mal sehen, nein, da ist sie auch nicht. Ich schaue mal hinten im Kofferraum nach… Das Auto ist ja nun nicht allzu groß, aber so eine Kreditkarte ist auch ziemlich klein. Sie fand sich schließlich zwischen den Sitzen auf dem Boden, wer weiß wie sie dahin gekommen ist. Ohne Kreditkarte durch Amerika zu reisen ist etwa so als würde man versuchen, die Sahara ohne Wasser zu durchqueren. Es ist deshalb gut, dass wir sie wieder gefunden haben. Ich sollte genauer sagen, dass Ulla sie wiedergefunden hat. Sie hat dafür einen sechsten Sinn, der mir fehlt.

Wir fahren nach dem Tanken noch kurz bei Walmart vorbei, um eine Jacke in den Altkleidercontainer zu verabschieden und machen uns dann auf in den Joshua Tree National Park.

IMG_5588Joshua trees, Felsformationen und Ansammlungen von Kakteen sind die Hauptattraktionen des Parks. Es ist etwa 27°C warm, die Sonne scheint und die Luft wäre glasklar, wenn der Smoke aus Los Angeles und Palm Springs nicht in einem breiten Kanal über die Berge in den Park dringen würden.

Diese klimatischen Bedingungen von Los Angeles haben seit Jahrzehnten dazu geführt, dass Kalifornien, was die Abgasgesetze für Autos angeht, immer sehr weit vorne war. Und hier im Park versteht man, warum das so wichtig ist. Es ist wohl auch kein Zufall, dass der zurzeit weltgrößte Hersteller elektrischer Autos hier in Kalifornien beheimatet ist.

Wir machen ein Picknick und dann eine Menge Fotos. Ein VW Bus vom Typ T3, Baujahr 1985, die letzte Baureihe mit luftgekühltem Boxermotor, stellt sich zu uns. Zwei junge Männer aus Oregon sind auf dem Weg nach Mexico, zwei Enduros im Auto, zwei Surfbretter auf dem Dach. Sie gucken sich interessiert die Aufteilung bei uns an, aha, so mache man das heute, auch nicht schlecht. Have a good time and safe travels.

Und als wir abends an der Grenze des Parks auf einem dispersed camping unser Dach aufklappen und der Sonne beim Untergang zuschauen, sind wir müde und zufrieden. Die Sonne wirft noch lange Schatten auf die Zerklüftungen der Orocopia Mountains.  Morgen wollen wir an die Grenze nach Mexiko. Der darstellende Präsident war vor ein paar Tagen in Calexico und da wir schonmal da sind, würde ich mir ganz gerne die Grenze einmal ansehen.

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