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Travels with Harpo

Monument x

Als John Steinbeck 1960 seine berühmte Tour durch die Vereinigten Staaten machte, kaufte er sich einen Pickup Camper, setzte seinen französischen Pudel namens Charley auf den Beifahrersitz ohne ihn anzuschnallen und fuhr los (Travels with Charley). Bei uns war das etwas schwieriger. Auf der ersten Runde unserer Tour durch die Vereinigten Staaten hatten Ulla, Harpo und ich die Erfahrung machen müssen, dass die für den Himmel gemachten Allianzen zwischen verschiedenen Airlines, recht euphemistisch Code Sharing genannt, so ihre Tücken haben. Die Idee ist ja nicht schlecht. Man bucht z.B. einen Flug mit mehreren Zwischenstationen bei einer Airline, auch wenn einzelne Teilrouten von anderen Airlines durchgeführt werden. Der Vorteil: eine Abrechnung, einmal einchecken, sich bis zum Ziel nicht um das Gepäck kümmern müssen, code sharing vereinfacht vieles. Im Detail zeigt sich dann, wie es funktioniert.

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Die Abstimmung zwischen Delta Airlines und KLM war, was die Beförderung von Hunden anging, nicht über jeden Zweifel erhaben. Nur mit Mühe und viel Hilfe unserer amerikanischen Freundin Michelle, einer ehemaligen Delta Airlines Mitarbeiterin, war uns der Rückflug von Salt Lake nach Düsseldorf geglückt. Wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass Harpo, unser kleiner, aber ausgewachsener Labrador Retriever in der Kabine zwischen unseren Sitzen mitflog. Wann immer ich das erzähle, schütteln die Zuhörer den Kopf, so etwas hätten sie noch nie gesehen. Leider habe ich kein Foto von uns Hund in der Schlange beim Boarding. Es war gut gegangen und wir sind immer noch dankbar, aber die Drähte hatten geglüht und auf der zweiten Runde wollten wir nun alles besser machen. Gute Vorbereitung, kein Stress. Life’s a beach.

Ulla bestand auf Direktflügen. Es sei klar, dass der Weg zu einem stressfreien Flug nur so gelingen könne, keine Zubringerflüge, keine Umsteigerei. Unser Auto steht in Salt Lake City direkt am Flughafen in einer Garage, und es wäre deshalb schön gewesen, wenn wir einen Direktflug dorthin hätten buchen können. Nun ist aber der Flughafen ein Drehkreuz von Delta Airlines und mit Delta hatten wir ja schon Erfahrungen gemacht. Inzwischen hatten wir auch gehört, dass diese Fluglinie auf Langstreckenflügen gar keine Tiere mehr mitnimmt. Salt Lake City schied also aus.

Las Vegas? Las Vegas, warum nicht. Dorthin fliegt Condor direkt von Frankfurt. Leider nimmt Condor überhaupt keine Tiere mit. Denver wäre infrage gekommen, war mir aber nicht eingefallen, es blieb also San Francisco. Das ist immerhin schon eine Tagesreise von Salt Lake City entfernt, aber an längere Entfernungen waren wir in den USA ja sowieso schon gewöhnt.

Es gibt einen Direktflug von Frankfurt nach San Francisco, der von der Star Alliance betrieben wird und auch der Rückflug von New York wurde angeboten. In der Alliance sind unter anderem Lufthansa und United miteinander verbandelt. Beide priesen auf ihrer Website ihre viel zu teure Tierliebe in hohen Tönen, nur die Organisation war jeweils etwas unterschiedlich geregelt. Bei Lufthansa sollte man den Hund direkt am Schalter einchecken können und er würde dann in seinem Käfig, genannt Kennel, im Frachtraum mitgenommen werden. Bei United Airlines sollte man den Hund bei einer Servicefirma abgeben, die würde dann alles Weitere erledigen. Na, das hörte sich doch ganz vielversprechend an, und so hatte ich die Flüge bereits im Januar gebucht. Der Hinflug war mit United, der Rückflug von New York mit Lufthansa.

20190327_095941Vor einer Woche hatte ich dann bei United in Frankfurt angerufen, um unseren Flug zu bestätigen und den Hund anzumelden. Eine Formalität, nichts weiter, schließlich hatte ich schon alles vorher online gebucht. Den Hund müsse ich allerdings direkt bei einem Pet Handler in Frankfurt anmelden, teilte mir die freundliche Dame am Telefon mit. Die Nummer finde sich im Internet.

Es meldete sich ein Hesse in breitestem Frankfurter Dialekt. Ob ich mir das denn auch richtig überlegt habe. Ob ich denn wisse, dass United keine Tiere als Übergepäck im Frachtraum mitnehme, sondern nur als separate Frachtlieferung. Das sei nicht ganz billig, ich müsse da schon mit mehr als 1200 € rechnen bei einem Hund dieser Größe. Mir fiel fast das Telefon aus der Hand. 1200 Euro, das war ja doppelt so viel wie jeder von uns bezahlen müsste und das auch nur für eine Strecke. 2500 € hin und zurück, ja hatten die denn noch alle Tassen im Schrank? Das sei einfach so, sagte er lakonisch, er könne da auch nichts machen, er würde zwar den Hund jetzt buchen können, er müsse mir aber auch sagen, was so auf mich zukäme. Es bestehe die Möglichkeit, den Hund bei Lufthansa zu buchen, dann könnte man ihn im Frachtraum mitnehmen und das würde so etwa 300 $ kosten. Dazu müssten wir aber auf Lufthansa gebucht sein und nicht bei United. Ja aber das sei doch ein Flug im Code Sharing, antwortete ich, also dasselbe Flugzeug nur mit zwei unterschiedlichen Buchungsnummern, einer von Lufthansa und einer von United. Das ist doch egal, mit wem man fliegt. – Das stimme schon, aber auch wiederum nicht so ganz, es komme schließlich darauf an, wer das Geld bekäme. Und das wäre immer derjenige, auf dessen Flug man gebucht sei. Ich müsste mich also umbuchen lassen, selbst wenn es sich um dasselbe Flugzeug handele.

Natürlich waren die Flüge jetzt erheblich teurer, eine Woche vor dem Flug, und das weiß jeder, je näher man an den Termin heranrückt desto höher steigen die Preise. Die Preise fliegen mit dem Markt, das wissen wir ja.

Monument x_5Gestern sind wir also um 2:45 Uhr in Witten los. Mein Bruder Jürgen brachte uns zum Dortmunder Hauptbahnhof in seinem Mini Clubmaster, der mit dem Hundekäfig, zwei Koffern, einer Tasche und drei Personen an seiner Kapazitätsgrenze kratze. Nach drei Stunden gemütlicher Fahrt im ICE, lediglich zwischen Köln und Frankfurt fährt der Zug mal schneller, Ankunft am Fraport. Gegen den Frankfurter Flughafen kann man sagen was man will, die ICE Anbindung ist jedenfalls super. Man steigt aus, geht zum Aufzug und ist auch schon gleich in der Abflughalle.

Lufthansa hat für die Abfertigung von Tieren einen eigenen Schalter, der schon früh um 7 Uhr von vier Personen besetzt war. Eine hervorragende Idee, dachte ich, hier hast du es wenigstens mit Spezialisten zu tun, die wissen worum es geht. Und so war es auch zunächst. Wir waren in ein paar Minuten eingecheckt, die Koffer abgefertigt und mit dem Hund hätten wir ja noch etwas Zeit, sagte die Dame. Wir müssten noch für ihn bezahlen, aber das habe ja noch Zeit, wir sollten ruhig noch etwas mit ihm nach draußen gehen, die Beine vertreten, der Flug sei ja schließlich lang genug. Diese Fürsorge, mir wurde richtig warm ums Herz. Da fühlt man sich gleich besser, verstanden sozusagen.

Ulla ging also mit Harpo spazieren, währenddessen ich seinen Käfig zusammen baute. Kennels für Hund und Katzen bestehen meistens aus zwei Plastikschalen, die man ineinander legen kann, um bei Transport und Lagerung Platz zu sparen. Bei Gebrauch setzt man die Schalen zusammen und verschraubt sie mit 11 Schrauben. Das dauert.

Als Ulla und Harpo zurückkamen standen wir noch einen kleinen Moment um den nun zusammengebauten Kennel herum, da kam eine der Lufthansa Mitarbeiterinnen, guckte skeptisch auf den Käfig und meinte dann, er sei ja wohl zu klein für den Hund. Darin könne der Hund ja wohl nicht richtig stehen, er müsse ja wohl seinen Kopf den ganzen Flug einziehen und das sei auf jeden Fall gegen die Vorschriften. Ich solle mir mal das Bild angucken, das über den Schaltern hing, ausreichend Platz über dem Kopf nach oben, ganz so wie auf dem Bild. Ob sie denn glaube, dass der Hund während des Fluges auch nur eine Minute stehen würde? Ich schob Harpo zur Demonstration in den Käfig und prompt legte er sich hin und betrachtete die inzwischen gewachsene Gruppe, die um ihn herumstand. Er war auch nicht zu bewegen, sich hinzustellen, so dass keine Entscheidung möglich war, ob die Kiste nun passte oder nicht. Dann stellten wir ihn neben den Käfig und versuchten herauszubekommen, ob er mit seinem Kopf darüber hinausragte. Inzwischen waren wir zu sechst, eine ansehnliche Gruppe, die sich allerdings nicht einig werden konnte. Die einen sagten so, ja, der Kennel sei zu klein, die anderen sagten so, ja, der Hund passe hinein, kein Zweifel. Die Dame, die das Ganze ins Rollen gebracht hatte meinte dann, es sei grenzwertig, aber sie alleine habe ohnehin nicht zu entscheiden, vor dem Abflug komme ein Inspektor vorbei, der sich das Ganze ansehen werde. Wir sollten uns nur schon einmal darauf gefasst machen, dass wir einen größeren Käfig besorgen müssten.

Das ganze endete damit, dass ich den Kennel wieder auseinander nahm, zusammenlegte und ein Stockwerk tiefer einen neuen kaufte, in Luxus Qualität zu Flughafen Preisen. Den alten behielt der Laden zur kostlosen Entsorgung. Zurück beim Check In machten wir die Probe mit Harpo.Zwar hatte ich eben noch getönt, der Hund sei an seine alte Kiste gewöhnt und würde nie und nimmer in einen neue steigen, die obendrein bestimmt nach Plastik rieche, das kenne man ja, aber von wegen, Harpo ging sofort rein und legte sich auf seine Decke.

Monument x_3Von den vier Sternen, die ich anfangs an Lufthansa für ihre Tierliebe und freundliche Abfertigung vergeben hatte, musste ich jetzt leider einen streichen. Inzwischen hatte die Dame am Schalter gewechselt. Die dunkelhaarige, schlanke Frau mittleren Alters, die uns so schnell abgefertigt hatte begegnete ins auf dem Weg und grüßte freundlich. Es sei ja alles klar, wir müssten noch bezahlen, eine Formalität, die Kollegin mit den mittelblonden Haaren wisse Bescheid. Noch eine gute Reise.

Ich war freudig gestimmt, wog mich in Sicherheit und hatte meine Kreditkarte schon gezückt, als wir an der Abfertigung ankamen. Ob ich denn nicht wisse, dass ich an diesem Schalter nicht bezahlen könne? Habe mir das die Kollegin denn nicht bereits gesagt? Es sei ja immerhin ein Flug von United Airlines und dafür können sie kein Geld einnehmen. Ich müsse zum United Schalter und dort bezahlen. Der befinde sich ein Stockwerk höher, an der nächsten Rolltreppe links und oben direkt wieder links. Ich solle mich aber beeilen, die Zeit werde langsam knapp. Auf der Website stehe es aber anders sagte ich, dort sei Lufthansa als Empfänger vermerkt und ausdrücklich vermerkt, dass am Check-In zu bezahlen sei. Es half nichts, und da ich bei vielen Reisen die Erfahrung gemacht habe, dass lange Diskussionen nichts bringen, machte ich mich auf den Weg. Ein Stockwerk höher angekommen fragte ich nach dem United Schalter und man sagte mir, dass auf diesem Stockwerk überhaupt nichts von United sei. Ich müsse ein Stockwerk tiefer links, dann 2 km geradeaus durch die Halle und dann rechts. Es sei nicht zu übersehen, ganz einfach, das finde jeder.

Ich schätze, dass ich wenigstens eine Viertelstunde unterwegs war als ich endlich dort ankam. Am Informationsschalter wurde ich freudig begrüßt. Ich sei doch der Mann der Frau, die glaube, United würde keine Hunde mitnehmen. Das sei en Gerücht, barer Unsinn, sagte mir eine Chinesin mit leichtem Frankfurter Akzent. Ja, meinetwegen, erwiderte ich, aber den Hund müsse ich trotzdem bei United bezahlen, das habe man mir am Lufthansa Schalter gesagt. Ich blickte ihn ein großes rundes chinesisches ratloses Gesicht. Bei uns bezahlen für einen Hund in einem Lufthansa Flugzeug, so etwas habe sie noch nie gehört und griff zum Telefonhörer. Nach kurzer Zeit kam ein junger Mann, und ich dachte schon, hoffentlich weiß der wenigstens einigermaßen Bescheid und war nicht noch gestern bei irgendeinem Gemüsehändler im Frankfurter Westend beschäftigt. Aber leider war es so oder so ähnlich, jedenfalls hatte er keine Ahnung und rief nach weiterer Unterstützung. Am Schluss waren vier Leute mit dem Fall beschäftigt und schließlich wurde mir mitgeteilt, dass sei absolut nebbe der Kapp, was mir davon Lufthansa erzählt worden sei, ich solle dorthin zurückgehen und ihnen sagen, der Hund müsse dort bezahlt werden. Basta.

Monument x_2Nach einer Viertelstunde kam ich außer Atem und nass geschwitzt am Lufthansa Schalter an. Da der Sachverstand der blonden Dame inzwischen nicht gewachsen war, musste wieder das Telefon herhalten, um ihn von irgendwoher herbei zu telefonieren. Schließlich kam die Entscheidung von oben. Ja, der Flug sei bei Lufthansa zu bezahlen. Dazu müsse ich zum Lufthansa Informationszentrum, geradeaus links an der Treppe hoch direkt links, es sei gar nicht zu verfehlen. Es war der gleiche Schalter, den mir Blondie vorher schon beschrieben hatte, nur hatte sie da gesagt, es handele sich um den United Schalter. Vermutlich hat sie schon nicht mehr richtig gewusst, ob es sich um einen Lufthansa oder United Flug handelte. Ich kann es ihr nicht mal verdenken. Code Sharing hat viele Vorteile, ist im Detail aber verbesserungswürdig.

Ticket bezahlen, durch die Security, über endlose aber stehende Laufbänder zum Flugsteig und als ich endlich in der letzten Reihe hinten links schweißgebadet in meinem Sitz saß, kann mir nur noch die Frage in den Sinn, ob ich jetzt zwei oder gleich alle drei Sterne streichen sollte.

Natürlich hatte Harpo von der ganzen Aufregung nichts mitbekommen. Ich holte ihn in San Francisco an der Ausgabe für Sperrgut ab und war etwas enttäuscht, dass er aus dem Käfig sprang und mich schanzwedelnd begrüßte. Er kann ganz toll mit seinem Schwanz wedeln, man könnte neidisch werden. Stattdessen blieb er liegen, guckte mich mit großen braunen Augen an, so als ob er fragen wollte, wie, schon wieder raus? Ich liege doch hier erst seit 12 Stunden.

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