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San Louis Obispo–Bakersfield, CA

20190413_075155Screenshot_20190414-204245_PhotoMap[1]Die TV Tower Road führt, wie der Name schon sagt, in engen Kurven steil auf den Berg zum Fernsehturm von San Louis Obispo, einer kleinen Stadt etwa 14 Meilen im Landesinneren. Sie zweigt direkt von der vierspurig als Schnellstraße ausgebauten California 101 ab, und zwar von der linken Spur. Das ist an sich schon ungewöhnlich. Zu allem Überfluss fehlt dort jegliches Schild, es gibt lediglich einen Hinweis auf einen Break Test, wo Trucks ihre  Bremsen ausprobieren können, es folgt nämlich ein langer Abstieg der 101. Und von dieser Bremsstrecke zweigt kurz nach der Einfahrt die Tower Road ab, wieder ohne Schild. Zum Glück ist das Manöver in der iOverlander App beschrieben.

Es wäre auch alles glatt gegangen, wenn ich leider, leider, leider die Stelle nicht trotzdem verpasst hätte. Ich musste also drei Meilen fahren um zu drehen und es dann noch einmal zu versuchen. Von der anderen Seite ist es einfacher, erstens weil man jetzt nach rechts abbiegen kann und zweitens, weil man jetzt ja weiß, auf was man zu achten hat: In die Bremsspur einfahren und kurz darauf abbiegen. Easy.

Die Straße fängt ordentlich geteert an, und man wiegt sich schon in Sicherheit, aber nach den letzten Häusern und zwei schärfen Kurven hört der Spaß auf, und eine vom Regen ausgewasche dirt road beginnt sich langsam den Berg hinauf zu winden.  Bei Regen sollte man hier alle Hoffnung fahren lassen, zum Glück ist der Weg trocken. RVs und Caravan Gespanne egal welcher Größe sind hier hoffnungslos überfordert, nach oben kommen allenfalls Pickups mit camper shells, Vans und PKW, die idealerweise über Allradantrieb verfügen sollten..

Es ist inzwischen Nacht und wir fahren langsam an zwei pullouts vorbei nach oben. Nach einer weiteren Viertelstunde kommen wir an eine Stelle, wo mehrere Autos parken können. Wir stellen uns vor ein Pickup. Der Wind hat aufgefrischt und bläst recht kräftig. Ich habe den Eindruck, dass wir auf einem ridge, einem Kamm stehen, von wo es zu beiden Seiten steil nach unten geht. Wissen tue ich es aber nicht, da es pitch schwarz ist. Vorsichtshalber ziehe ich die Handbremse noch mal an, ehe wir das pop up Dach aufklappen und uns für den Abend fertig machen.

Es sollte eine unruhige Nacht werden, der Wind wollte nicht aufhören. Im Gegenteil, früh am Morgen etwa gegen 4 Uhr war er so stark, dass ich Sorge hatte, das Dach würde eventuell wegfliegen. Vermutlich war das Unsinn, aber nachts kann man schon mal den Sinn für vernünftige Dimensionen verlieren. Auf jeden Fall habe ich das Dach herunter gezogen und es wurde etwas ruhiger im Auto. Leute die schon vorher hier waren, hatten vor starkem Nebel gewarnt, der in dieser Höhe überraschend auf den Berg fallen kann. Nur das nicht, dachte ich, aber am Morgen schien die Sonne, es war kalt aber schön.

Ich machte mit Harpo eine Runde und er fand ein größeres Skelet, an dem er sofort nagte. Labradore fressen alles, was ihnen vor die Flinte kommt, egal wie alt es ist. Ich hatte Mühe, es ihm abzunehmen, aber als ich ihn mal an der Leine hatte, war er chancenlos. Er weiß das auch, lässt es sich aber nicht anmerken und liefert mir jedes Mal einen ehrlichen Kampf.

20190413_091147Google Maps hatte uns darüber informiert, dass in San Luis Obispo am Samstagmorgen ein Farmers Market stattfindet. Wir sind also dorthin gefahren, um uns einmal an zu sehen, wie die Amerikaner so etwas gestalten. Auf dem Markt waren etwa 60 Stände mit weißen Pavillons aus China in drei Reihen angeordnet. Daneben standen die Autos, meist weiße Pickups und dazu die unvermeidlichen weißen Mercedes Sprinter. Das Angebot bestand aus landwirtschaftlichen Produkten der Umgebung. Gemüse, Obst, Honig etc. Kein Fleisch oder Wild, keine dazugekaufte Ware und auch keine Hardware, also keine Schürzen, Decken Tischtücher, Schuhe, Kleidung, Parfum, chinesische Uhren und Ledergürtel aus Afrika. All das, was man auf südfranzösischen Märkten in Hülle und Fülle findet und was diese Märkte deutlich bunter macht. Hier ging es um das frische Gemüse. Zum Einkauf von Souvenirs ist so ein Farmers Market also nicht geeignet. Wer nimmt sich schon eine Banane als Souvenir mit nach Hause, geschweige denn eine Kohlrabi oder gar eine Birne.

San Louis Obispo oder SLO, um es kurz zu machen, wurde einst von Ophra eine der glücklichsten Städte Amerikas genannt. Lonely Planet hat das publik gemacht und jetzt guckt man sich die Stadt mit anderen Augen an. In der Tat, dieses ältere Stadtzentrum, von alt wollen wir als Europäer in diesem Zusammenhang lieber nicht sprechen, hat schon etwas. Die meist zweistöckigen Häuser bilden mit vielen Geschäften einen richtigen Stadtkern. Die Stadt ist bei weitem nicht so zersiedelt und verbreit wie Los Angeles, allerdings auch wesentlich kleiner. Das hat was. An einem kleinen Bach fanden wir ein Restaurant mitten in der Innenstadt, in dem wir selbst Harpo mitnehmen konnten. Von dem erstklassigen amerikanischen Frühstück hat er allerdings nichts abbekommen.

Wir wollen weg von den touristischen Küstenstädten, es zieht uns quasi ins Landesinnere und so nehmen wir über Mittag die zweistündige Fahrt über die California 58 nach Bakersfield auf uns. Es geht durch eine hügelige Mittelgebirgslandschaft an den Coastal Ranges entlang ins Innere des Landes. Das Gebiet ist praktisch unbewohnt. Wenn nicht rechts und links von der Straße die Zäune wären, man könnte meinen, man wäre in der Wüste. Die kommt etwas später wieder zurück. Der Boden wird sandig, die Bepflanzung spärlich und nach dem Motto Wo-Sand-ist, ist-auch-Öl mehren sich die Pumpen, die unermüdlich Rohöl fördern.

IMG_5834Wir fahren über ein höher gelegenes Plateau, das uns ein wenig an das Plateau von Valensole erinnert, nur dass hier kein Lavendel angebaut wird, sondern Solarpaneele. Eine gigantische Solar Farm rechts und links der Straße erstreckt sich über Kilometer. An einer Kreuzung steht ein Schild Topaz Solar Farms und Wikipedia sagt uns, was es damit auf sich hat. Es ist eine der größten Solarfarmen der Welt.

Wir passieren Hügeln, die mit gelben Blumen bedeckt sind. An einer Stelle haben mehrere Autos angehalten. Es handelt sich augenscheinlich um japanische Touristen, die Fotos machen. Sie posieren mitten auf der Straße und verrenken die Gliedmaßen für selfies. Es müssen Japaner sein, sagt Ulla. Sie sind nicht so schlampig angezogen wie die Amerikaner und meistens schlank. Ja, ja, der Japaner, an und für sich kein schlechter Mensch.

Dann kommt McKintrek, eine handvoll Häuser und Trailer, Wellblech-Schuppen und Geräte, die man wohl zum Bohren nach Öl braucht. 190 Einwohner soll der Orte haben. Wenn das mal nicht übertrieben ist.

Am frühen Nachmittag kommen wir in Bakersfield an. Wir besuchen mit Harpo den Dog Park und unterhalten uns mit einer ganzen Reihe von Leuten. Diese Parks sind wirklich hervorragend geeignet, um Kontakt zu knüpfen. Harpo ist darin wirklich begabt. Er himmelt die Leute an, bis sie ihn streicheln, und das gefällt beiden.

Es ist warm am Abend, fast sommerlich.

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