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On the road

Harpo (1)_2)_3)Seit drei Wochen sind wir jetzt im Osten der USA unterwegs und es hat erst einmal nachts geregnet. Eigenartig, dachte ich so, die Vegetation ist überall wirklich üppig, die Bäume sind deutlich größer und besser gebaut als bei uns, das geht doch eigentlich nur mit viel Regen. Dann, nachts um drei, ein Donnerschlag zum Auftakt und darauf folgt ein Gewitterregen, der kein Auge trocken lässt. Das hört erst am Morgen langsam auf, und als wir gegen acht Uhr Richtung Blue Ridge Parkway aufbrechen, klart es bei angenehmen 73 ℉ langsam auf. Da wir keinem ausgearbeiteten Reiseplan folgen sind wir auf dauernden Onlinekontakt angewiesen, und das ist nicht immer gegeben. Besonders in den

Apalachen Nord Carolinas ist das AT&T Netz nicht so besonders dicht. Deshalb hatten wir uns auch noch keine Kirche für den Vormittag aussuchen können, dabei herrscht in dieser Gegend wahrhaftig kein Mangel an Kirchen. Wir müssten bereits mitten im Bibelbelt sein, denn selbst kleinste Dörfer, durch die wir kommen, haben so viele Kirchen, dass man sich fragt, woher die ganzen Leute kommen sollen, die diese Kirchen füllen.

Wir stellen aber auch schnell fest, dass fast alle Kirchen zwei Gottesdienste anbieten, morgens und abends. Also beschließen wir, es abends noch einmal zu versuchen und machten uns auf den Weg zum Blue Ridge Parkway Richtung Süden.

HM_20180910_095023Wir orientieren uns an unserem Motto America on backroads. Als grobe Regel versuchen wir also, 4-spurige Interstate Highways zu vermeiden und das gelingt bisher auch ganz gut, wenn man von den Umgehungen der großen Zentren im Osten einmal absieht. Insbesondere die Parkways haben es uns angetan. Das sind zweispurige Autostraßen, die vom National Park Service, der auch die Nationalparks verwaltet, betrieben werden. Sie sind für den kommerziellen Verkehr gesperrt und dienen hauptsächlich der touristischen Erfahrung der Landschaft. Für Leute, die gerne Auto fahren, ist das eine tolle Sache.

Wir fahren durch eine Weidelandschaft mit vereinzelten Gehöften und schwarz-weißen Kühen. Rehe springen im Morgendunst über die Staße und graue Eichhörnchen bringen sich in Sicherheit. Schon in Virginia und jetzt auch in Nord Carolina fällt uns die gepflegte Landschaft auf.

Linville (1)_2)_3) xSo habe ich mir die Apalachen wirklich nicht vorgestellt. Nur vereinzelt sieht man etwas abgewirtschaftete Höfe mit einem stattlichen Wagenpark an Schrottautos, ansonsten sind Häuser, Straßen und Dörfer in tadellosem Zustand. Hin und wieder sieht man gelbe Schilder Thank you Jesus an den Einfahrten. Und der Rasen um das Haus, egal wie groß das Grundstück auch ist, ist immer wunderbar grün und einwandfrei gemäht. Das ist wirklich auffällig. Wir stellen Mutmaßungen darüber an, wieviel Zeit ein Amerikaner wohl mit Rasen mähen verbringen muss. Meinen alten Schulfreund aus Iowa, Marc Maynard, habe ich verschiedentlich angerufen und immer war er gerade am Rasen mähen.  Marc is out mowing the lawn, hieß es immer, vermutlich hätte ich auch nachts anrufen können, er wäre wohl immer noch am mähen gewesen. Man sieht aber auch wirklich kein Grundstück, wo man es mit dem Rasen nicht peinlich genau nehmen würde. Das galt schon für Vermont und New Jersey, aber auch in New York, Virginia und hier in North Carolina ist es genauso.

Linville (13)_4)_5) xGegen 11 Uhr erreichen wir den Blue Ridge Parkway und fahren Richtung Süden. Wir fangen zu spät an, nach einem Restaurant Ausschau zu halten. Mit Hund ist das etwas schwieriger. Harpo ist nämlich wie alle seine Kollegen in Restaurants nicht erlaubt, es sei denn draußen auf der Terrasse. Als wir auch nach längerem Suchen nichts finden, halten wir an und machen Rast mit selbst gebastelten Sandwiches, Chips und Kartoffelsalat von Aldi in Galax.

Die Parkways sind mit aufwändigen Rast- und Picknick Plätzen ausgestattet. Häufig befinden sich diese an besonderen Landmarken wie Wasserfällen oder Aussichtpunkten. In Linville machen wir einen kurzen Hike zum Wasserfall. Schön. Sehr schön, wie ein richtiger Wasserfall eben, wie gemalt könnte man sagen, wenn auch einen Tick zu kitschig. Aber so ist die Natur hier nun mal. Als wir zurück gehen kommt uns an einem besonders steilen Stück eine Frau in golden Sandaletten entgegen. Howdy, what a nice puppy, sagt sie. Harpo verzeiht keine Miene. Puppy (Welpe) wird er hier fast immer genannt, dabei ist er schon fast drei. Puppy, pffft, das sagen sie nur, weil er kein Übergewicht hat und etwas klein geraten ist.

HM_20180909_194131 xAm Abend gehen wir in die Grassy Creek Baptist Church in Spruce Pine, North Carolina. Wir nehmen an einem Taufgottesdienst teil. Schon während der Predigt habe ich mich gefragt, warum das mittlere Kreuz an der Stirnwand der Kirche hinter einer Glasscheibe ist. Besonders wertvoll erscheint es nicht, als das es speziell gesichert werden müsste. Schlichtes Holz, nicht mal vergoldet. Plötzlich taucht der Pastor hinter der Scheibe auf und sagt der Gemeinde, dass er jetzt die Taufen durchführen wird.

Man sieht, dass er im Wasser steht, von dem ein ein dünnes Band hinter der Glasscheibe sieht. Nacheinander kommen vier Täuflinge zu ihm und werden von ihm rückwärts untergetaucht. Sehr beeindruckend. Die Gemeinde klatscht und applaudiert.

Da wir noch nichts gegessen haben, fahren wir bei Kentucky Fried Chicken vorbei. Wir haben uns vorgenommen, wenigstens einmal bei allen Fast Food Ketten zu essen und heute ist der Hähnchenbrater dran. Nach Colonel Sander’s fahren wir zurück auf den Parkway zum Rastplatz an den Crab Tree Falls. Auf dem Weg dahin kommt Nebel auf, so dicht, dass wir nur noch im Schritttempo die Picnic Area erreichen. No camping ist das letzte Schild, das ich sehe, bevor ich anhalte, den Motor ausmache und das Dach hochschiebe. Betrifft uns nicht, sind wir uns einig, wir halten hier nur für die Nacht, Camping ist etwas anderes. Und außerdem, bei dem Nebel fahre ich nicht einen Schritt weiter. Bonne nuit.IMG_20180910_161313_959

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