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Leavenworth, WA

Ultimate_HDR_Camera_20190520_174011Ich schreibe das hier mal lieber in Deutsch, weil ich nicht so genau weiß, was dabei herauskommt, wenn ich es in Englisch versuche. Ich neige zur Übertreibung und muss in diesem Fall bei der Sache bleiben. Es geht um die ziemlich abgedrehte Geschichte der Stadt Leavenworth im Bundesstaat Washington, etwa zweieinhalb Autostunden südöstlich von Seattle. Umgeben von Bergen mit viel Schnee im Winter liegt dieses Städtchen, um es kurz zu machen, mitten im Wald. Es entstand im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahn von Ost nach West, die 1893 unter tätiger Mitarbeit der Chinesen vollendet wurde. 1903 taucht aus Clinton, Iowa, ein gewisser Lafayette Lamb auf, der an der Stelle, wo später die Stadt entstehen sollte, das zweitgrößte Sägewerk im Bundesstaat Washington baut.

Ultimate_HDR_Camera_Original_20190520_173559Das ist so ziemlich das einzige, was man in dieser Gegend vernünftigerweise machen kann. Die kleine Stadt im Wald an der Eisenbahnlinie wuchs als die Hauptverwaltung der Great Northern Railroad hier angesiedelt wurde. Verwaltungsjobs sind meist gut für die Entwicklung einer Stadt. Sie brauchen keine besonderen Flächen, machen wenig Dreck und verpesten die Luft meist nicht übermäßig. Eine Eisenbahnverwaltung und ein Sägewerk und eine Haltestelle für die Eisenbahn, das kann für die Gründung einer Stadt ausreichend sein.

Leider wurde die Hauptverwaltung der Bahngesellschaft in den 20er Jahren nach Banerjee verlegt und damit fiel ein stabiler Pfeile der Stadtgründung um. Die Mitarbeiter der Verwaltung zogen weg, ihre Familien natürlich auch, die Geschäfte hatten nicht mehr genug Kunden und schlossen genauso wie die Restaurants, Kneipen, Kirchen et cetera, mit anderen Worten, die Entwicklung zur Geisterstadt zeichnete sich ab.

20190520_173130In den frühen 60er Jahren kauften zwei Leute aus Seattle ein kleines Café am Highway 2, das aufgegeben worden war. Sie hießen Ted Price und Bob Rodgers. Es war ihnen klar, dass etwas Gravierendes passieren musste, um diesen Ort wieder in Schwung zu bringen. 1962 gründeten sie das Projekt LIFE, Leavenworth Improvement for Everyone, und gewannen die Universität Washington dazu, daran mitzuwirken, ein Konzept für die Revitalisierung des Städtchens zu erarbeiten. Ted Price, der auch das Unterkomitee für Tourismus leitete, hatte die Idee mit der Themenstadt, und zwar ganz in diesem disneyschen Sinne. Man beschloss, das Städtchen Solvang in Kalifornien zu besuchen, wo man so etwas schon einmal mit einem dänischen Thema ausprobiert hätte. Kurz und knapp, eine Delegation besuchte Solvang und in der Folge entschied sich dann zur Bajuvarisierung der Stadt. Das Ergebnis des ersten Umbaus war das Hotel “Edelweiss” im Zentrum. Als es fertig war, sah es so aus, als ob man es aus dem Alpenvorland nach Amerika transportiert hätte. Es ist noch heute ein unaufdringliches Schmuckstück. Ein Gebäude folgte dem nächsten und so entstand langsam ein Stück Bayern in Washington. Ich habe bisher hier kein Deutsch sprechen hören, aber es soll rund ein Drittel der mehr als 2000 Einwohner deutschstämmig sein. 

Wir gehen an den liebevoll mit deutschem Plunder dekorierten Schaufenstern entlang, an der Festhalle und dem Maibaum vorbei zum original bayrischen Starbucks. Der Kaffee ist lauwarm, das könnte in Bayern auch passieren, er wird aber sofort nochmal neu gemacht, als ich hinterhältig frage, ob das die Spezialität des Hauses sei. Harpo geht’s gut. Er liegt in der Sonne und blinzelt den Leuten zu, die vorbeigehen. Jede zweite fällt auf ihn rein und streichelt ihm das Hinterteil und den Bauch. Aus den Lautsprechern kommen abwechselnd deutsche Schlager und österreichische Marschmusik. Ich sag’s ungern, aber mir gefällt’s. Sehr sogar. Und als abends noch die Weihnachtsbeleuchtung angeht, die man hier praktischerweise gar nicht erst abmontiert hat, wird es richtig gemütlich. So mag der Amerikaner das deutsche und der Deutsche mag es auch.

20190520_205600Bei der Tourist Information sehen wir erst, was für ein Betrieb hier herrscht und was man hier alles machen kann. Vom Whitewater rafting über Golfen zum Wandern, es ist wirklich für jeden etwas dabei. Aufgefallen ist mir noch das “Projekt Bayern”, eine Arbeitsgruppe, die sich um die bayrische Ausstattung kümmert und dafür sorgt, dass nicht aus Versehen oder Unkenntnis Dudelsackmusik gespielt wird und Highland Spiele veranstaltet werden. Das wäre eine Katastrophe, will man doch möglichst authentisch sein. Deshalb wird das Oktoberfest und der Chistkindlmarkt organisiert, eine Blaskapelle und eine Edelweiß Tanzgruppe unterstützt, der Maibaum und der Brunnen gepflegt, Lüftlmalerei und Trachten angeschafft und vieles mehr. Sogar ein Kinderchor “Sonnenspatzen” wurde gegründet.

Normalerweise machen sich die Deutschen in Amerika nicht mehr speziell bemerkbar. Deshalb hat es mir hier besonders gut gefallen. Und es ist wirklich gut gelungen, die ganze Atmosphäre in der Stadt ist sehr entspannt und very geschmack, so to say.

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