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Kirche

20180826_113859Als John Steinbeck Anfang der 60er Jahre seine Tour durch die USA machte, weil er, wie er schrieb, das Gefühl für Amerika verloren zu haben glaubte, nahm er sich vor, sonntags in die Kirche zu gehen, jeden Sonntag bei einer anderen Denomination. Keine schlechte Idee, dachte ich, und Ulla war einverstanden. Normalerweise gehen wir im Urlaub nicht in die Kirche, aus Gründen die mir bis heute verborgen geblieben sind. Aber da man bei einer mehrmonatigen Tour sowieso nicht mehr von Urlaub sprechen kann, war die Sache klar.

In Waterfront, New York State, hatte ich mir am

Samstag eine Gemeinde ausgesucht, die mir ganz interessant erschienen, wenn man ihrer Internetseite glauben konnte, ich entschied mich dann aber kurzfristig anders und ging in die katholische Kirche, die in unmittelbarer Nähe von unserem Quartier lag. Das geht in Ordnung, dachte ich, die katholische Kirche ist schließlich das Mutterschiff, und so ist es nicht mehr als recht und billig, wenn ich da anfange.

Ich kam gerade rechtzeitig. Die Gemeinde sang einen Choral, die Türen standen offen und ich nahm in der letzten Reihe Platz, ohne dass sich jemand um mich gekümmert hätte. Das war mir ganz recht. Die katholische Kirche in Waterfront ist ein großer steinerner Bau, der so aussieht, wie es sich für eine Kirche gehört. Zwei Türme, ein großes Portal, ein kreuzförmiger Grundriss, der Innenraum hell und freundlich.

Der Gottesdienst wurde von zwei alten Priester geleitet, beide gut über 80 Jahre. Einer von den beiden ging ans Mikrofon und fängt an zu predigen. Was dann folgte, kann man sich am besten vorstellen, wenn man auf alte Filme mit Jacques Tati zurückgreift. Da gibt es insbesondere einen, bei dem Monsieur Hulot auf einem Bahnhof über einen Bahnsteig läuft. Hin und wieder kommt eine Lautsprecherdurchsage, die so unverständlich und laut ist, dass man kein Wort versteht. So war es auch in dieser Kirche. Die Lautsprecher verzerrten dermaßen stark, dass man nicht einmal ahnen konnte, worum es in der Predigt ging. Ich weiß nicht, ob das an allen Plätzen in dem großen Raum genauso war, bei mir kam nur Salat an. Nach einer ganzen Weile hörten die zerfetzten Sätze auf und ich vernahm ein Gemurmel, dessen Rhythmus mir bekannt vorkam. Ich vermutete das Vaterunser und ich murmelte leise in deutsch mit. Dann war der Gottesdienst zu Ende und alle gingen nach Hause.

In Hamburg, Pennsylvania, war es anders. Auf dem Hamburgerfest am Samstag waren über 40 Gruppen, die unterschiedliche Arten von Hamburgern servierten. So hatte es mir der Sheriff geschildert am Vorabend auch angekündigt. Gegen Mittag kamen wir an einem Stand vorbei, der von meiner Kirchengruppe war. CFEC (Christ Free Evangelical Church) stand am Stand und wir blieben stehen, aber nicht weil es sich um eine christliche Gruppe handelte, sondern weil die Hamburger in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet worden und die Urkunden am Stand ausgestellt waren. Außerdem warb man mit der Jugendarbeit, und das war uns sympathisch. Der Hamburger war gut aber kalt, wir gingen aber trotzdem am nächsten Tag in den Gottesdienst.

Der Gemeindesaal außerhalb der Stadt war ein fensterloser Veranstaltungsraum für etwa 500 Menschen. Zu Anfang wurden neue Besucher willkommen geheißen und ihnen kurz geschildert was sie erwartete. Nach einigen Informationen würde gesungen, dann gäbe es die Predigt, danach noch ein Lied und Schluss. Nach einer Stunde sind wir hier raus, sagte der Sprecher. Und so war es auch. Gesungen wurde zusammen mit einer Rockband. Drei Gitarren, Bass, Keyboards, der Schlagzeuger saß in einem Glaskäfig. Das ganze war kräftig abgemischt, ganz so wie man es von einem Rockkonzert erwartet. Das Publikum war gemischt, vom Durchschnittsalter aber bei weitem jünger als in der katholischen Kirche in Waterfront. Nach den Liedern kann der Pastor im T-Shirt der Gemeinde auf die Bühne, Mitte 30, frei sprechend, Thema aus 2. Petrusbrief. Nach einer Halben Stunde Predigt wurde wie angekündigt noch ein Lied gesungen, dann war unvermittelt Schluss. Kein Segen.

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