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Import–Export

1690831Die Reise nach Amerika – mit eigenem Auto und Hund – hat in der Vorbereitungsphase mit dem Ausfüllen von Fragebögen zu tun. Das liegt in der Natur der Sache. Häufig ist es so, dass mir schnell alles zu viel wird, wenn ich mitten in den Vorgängen stecke, und ich mich frage, ob da wirklich jedes Papier seine Berechtigung hat. Mit etwas Abstand muss ich aber sagen, es ist alles halb so schlimm, meistens. Harpo, unser brauner Labrador, muss nicht in Quarantäne sondern nur seine Impfungen vorweisen können, am Auto muss gar nichts geändert werden, die Einfuhr ist unproblematisch, vorausgesetzt es bleibt nicht länger als ein Jahr in den USA. Das gilt jedenfalls für den deutschen Zoll, dem ich den Wagen vor der Verschiffung im Zollamt Bochum vorführe. Hier wird eigentlich nur kontrolliert, ob die Fahrzeugidentitätsnummer am Auto mit der Nummer in den Papieren übereinstimmt.

Die MSC Portugal hat Antwerpen und Liverpool verlassen und befindet sich mitten auf dem Atlantik, dort wo es kein GSM Netz

mehr gibt. Am 16.8.2018 wird sie um 6:00 Uhr in New York erwartet, das ist eine gute Zeit, um sich mit den Papieren zu beschäftigen, als da wären:

· POA EXPORT IMPORT

· Pass Ursula Marx

· Pass Hans Marx

· KFZ Schein WIT MX 300

· Internationaler Zulassungsschein

· Foreign poa filleable

· EPA 3520-21 FILLEABLE

· EPA 2018-MARCH-LD-NONRES-9156

· DOTFORM FILLEABLE

· CBP_Form_3299

· 3299 RESIDENT AFFFIDAVIT SUPPL DECLAR FILLEABLE

Eine stattliche Liste, in vielen Fällen reicht allerdings die Unterschrift, da die Agentin in New York die Papiere ausfüllt.

Wie viel einfacher ist doch derselbe Vorgang in Europa. Ich packe meine grüne Versicherungskarte zu meinen Papieren und fahre los. Da es innerhalb der Europäischen Union keine Zölle gibt, kümmert es weder die Deutschen noch die französischen Zöllner, wenn ich mit meinem Auto monatelang durch die Provence fahre. Durch den gemeinsamen Markt sind auch keine speziellen Zulassungen erforderlich, weil die Bedingungen in allen Ländern der EU gleich sind. Gerade in letzter Zeit wird mir im Zusammenhang mit dem Brexit immer klarer, was wir an der EU haben. Die Engländer werden sich noch wundern, wenn Sie die Zollunion und den gemeinsamen Markt verlassen haben.

Was den Warenaustausch mit Amerika angeht, kann ich auf reichhaltige Erfahrungen zurückblicken, meistens gute. Mitte der 80er Jahre suchte ich für meine Firma nach einem Produkt, das das man aus den USA nach Europa importieren könnte. Es war damals so, dass es immer wieder Artikel gab, die zwar in Amerika üblich, in Europa aber noch nicht eingeführt waren. Allgemein sagte man damals, dass Amerika den Europäern etwa zehn Jahre voraus sei. Darüber kann man trefflich streiten. Jedenfalls fassten wir uns 1985 ein Herz, parkten die Kinder bei den Großeltern und besuchten meinen alten Schulfreund Marc aus Iowa, der als Veterinär in Sacramento, Kalifornien arbeitete. Seine Frau Patsy zeigte uns die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten und danach schleifte ich Ulla durch unzählige retail stores und shopping malls auf der Suche nach einem geeigneten Produkt. In einen Laden für Autozubehör fand ich eine Edelstahl-Abdeckung für die Reifen von Geländewagen, wie wir sie in Deutschland nicht kannten. Ich notierte mir den Hersteller. Zurück in Deutschland überprüften wir den Markt für ein solches Produkt und fanden, das es durchaus eine Chance haben könnte. Ich mache es ganz kurz, das Ding wurde ein Renner und entwickelte sich innerhalb von wenigen Jahren zu einem der meistverkauftesten Zubehörartikel für Geländewagen.

Dies hatte zur Folge, dass ich etwa 20 Jahre lang als Besucher, später als Aussteller auf der SEMA Show in den USA teilnahmen. Diese Messe fand zunächst einige Jahre lang in Chicago statt, später dann in Las Vegas. Nachdem wir mit einem Produkt Erfolg gehabt hatten, suchten wir nach weiteren Artikeln. Das gestaltete sich viel schwieriger, als es mir vorgestellt hatte. Viele amerikanischen Firmen waren ganz einfach nicht darauf vorbereitet, zu exportieren. Export ist an und für sich kein Hexenwerk. Man muss ein paar international anerkannte Regeln einhalten, entsprechende Papiere vorbereiten, die Finanzierung mit den Banken regeln und möglichst alle mündlich getroffenen Vereinbarungen peinlichst genau einhalten. Für Europäer ist es das tägliche Brot, für Amerikaner sieht die Welt anders aus. Sie haben es mit einem riesigen einheitlichen Markt zu tun, von dessen Größe man in Europa nur träumen kann. Amerikanische Firmen haben meist im eigenen Land so viel zu tun, dass sie für den Export kein Interesse haben. Jedenfalls gilt das für kleine und mittlere Firmen. Die großen Spieler z.b. der Automobilindustrie neigten aus meiner Sicht schon früh dazu, im Ausland Produktionsstätten zu errichten oder ausländische Marken zu kaufen. Das ist eigentlich die intelligentere Strategie, die sich weltweit auch durchgesetzt hat. Sie führte jedoch dazu, dass die Vereinigten Staaten in manchen Sektoren mit recht bescheidenen Exporten aufwarten, ganz einfach weil sie nicht exportieren müssen oder im Ausland produzieren.

In dieser Zeit verlagerten amerikanische Produzenten auch einen großen Teil der Produktion von Produkten des täglichen Bedarfs ins Ausland, in der Hauptsache nach China und Mexiko. Nach meiner Beobachtung und persönlichen Erfahrungen kam der Hauptdruck für diese Verschiebung vom Handel. Die großen Handelshäuser, allen voran Walmart, hatten als erste begriffen, dass man Produkte aus China deutlich günstiger importieren konnte. Zwar hingen in den Läden immer noch große Plakate mit dem Slogan Buy American, in den Besprechungszimmern der Einkäufer aber wurden die Lieferanten dringend aufgefordert, ihre Fertigung nach China auszulagern. Die Reduzierung der Einkaufspreise bescherte den amerikanischen Verbrauchern über eine lange Zeit sehr günstige Preise, so dass ihre Kaufkraft enorm zulegte. Die in den USA überflüssig gewordenen Arbeitsplätze störten zunächst auch nicht weiter, weil gleichzeitig im Dienstleistungsbereich, insbesondere in der Digitalisierung, ein neuer Arbeitsmarkt entstand. China wiederum profitierte von dem Vorgang mit dem Entstehen von Export-Arbeitsplätzen und der rasanten Verlagerung von Knowhow, wie man es noch nie erlebt hatte. Es bildete sich eine internationale Arbeitsteilung heraus, die bis heute so praktiziert wird. Das Design kommt häufig aus Design Studios in Norditalien oder Kalifornien. Die Fertigung ist über den Globus in Billiglohnländern verteilt, und wenn das ganze noch steueroptimiert wird, sitzt die verwaltende Holding in einem von Politikern eingerichteten Niedrigsteuerland, das anschließend von denselben Politikern in Wahlkampfzeiten heftig kritisiert wird. Die meisten durchschauen das ganze schon lange nicht mehr, und trotzdem ist es ein recht ordentliches System, denn es profitieren alle.

Jedenfalls waren die Amerikanern in den letzten Jahrzehnten die treibende Kraft hinter der weltweiten Arbeitsteilung und alle haben davon profitiert, auch die, die glauben, abseits zu stehen.

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